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Qualität, Vielfalt und Legende: So liesse sich die schweizerische Spirituosen-landschaft charakterisieren. Dass Abricotine, Absinth, Damassine, Grappa oder Poire à Botzi nicht so berühmt sind wie Wodka oder Whisky, liegt an den starken Einschränkungen, welche der Bund während langer Zeit der einheimischen Produktion auferlegte. Die Eidgenössische Alkoholverwaltung (EAV), die den Auftrag hat, die Alkoholpolitik des Bundes durchzusetzen, feiert 2012 ihr 125-jähriges Bestehen. Mit der Totalrevision des Alkoholgesetzes sollen historische Bundesmonopole fallen. Eine ideale Gelegenheit, die einheimischen Edelbrände im Rahmen der Gastromesse «Goûts & Terroirs» in Bulle, vom 31. Oktober bis zum 4. November 2012, (wieder) zu entdecken.
Der in der Haupthalle von «Goûts & Terroirs» gelegene Bereich der Schweizer Spirituosen entführt die Besucherinnen und Besucher auf eine Entdeckungsreise «von der Frucht am Baum bis ins Degustationsglas», bei der sie in die Geheimnisse der Destillation eingeweiht werden.
Zwischen traditionellem Handwerk und Spitzentechnologie
Das alte Brennereihandwerk wird in der Schweiz seit vielen Generationen ausgeübt. Edelbrände herzustellen ist jedoch nicht allen gegeben. Die Auswahl einwandfreier Rohstoffe, die Kontrolle über die Gärungsprozesses sowie fundierte Kenntnisse der Funktionsweise eines Brennapparates sind unverzichtbare Voraussetzungen für die Herstellung einer qualitativ hochstehenden Spirituose. Nebst dem handwerklichen Können tragen auch die Forschungsergebnisse und der technologische Fortschritt zur kontinuierlichen Verbesserung der Reinheit und der Intensität der Aromen der Destillate bei.
Auf Qualität setzen
Neun Branchen- und Dachverbände sind als Vertreter der einheimischen Brennereien an «Goûts & Terroirs» 2012 präsent: Association interprofessionelle de l'absinthe, Association romande des distillateurs à façon, Associazione distillatori della Svizzera italiana, Confrérie de la Poire à Botzi, Distisuisse, Fachverband «Eaux-de-vie du Valais», Fachverband «Damassine AOC», Fondation rurale interjurassienne (FRI), Schweizer Obstverband SOV: Ihre Produkte - Absinth, Grappa, Abricotine, Williamsbirne, Damassine oder die Poire à botzi oder zu Deutsch «Büschelibirne» - gehören zu den Aushängeschildern der Schweizer Spirituosenherstellung. Im Rahmen von «Goûts & Terroirs» rücken die einheimischen Brennereien ihr traditionelles Können ins Licht und zeigen ihre lokale Verankerung und ihr unaufhörliches Streben nach höchster Qualität, um gegen die starke ausländische Konkurrenz bestehen zu können.
Forschung, Aus- und Weiterbildung
Die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) und die Hochschule für Technik Changins (EIC) leisten einen wichtigen Beitrag zur qualitativen Verbesserung der einheimischen Spirituosen. Die Ergebnisse ihrer angewandten Forschung in den Bereichen Früchtezubereitung, Gärtechniken oder Fertigstellung der Edelbrände fliessen direkt in die Praxis ein. Die ACW bietet zahlreiche Weiterbildungskurse zur Verbesserung der Brenntechniken an. An «Goûts & Terroirs» werden die ACW und die EIC einem breiten Publikum auf eine leicht verständliche Weise den aktuellen Stand der Forschung in der Schweiz nahebringen. Ausserdem bieten sie Fachkurse zur Degustation und zur Früchtezubereitung an.
Die EAV: Vom Unterdrücker zum Vermittler
Die seit 1887 mit der Umsetzung der Alkoholpolitik des Bundes betraute EAV feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Ihre Tätigkeit hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt, weil auch die Schweizer Bevölkerung beim Konsumieren von Alkohol andere Gewohnheiten angenommen hat und neue Probleme aufgetaucht sind. Ende des 19. Jahrhunderts waren staatliche Monopole errichtet worden, um die «Schnapswelle» in den ländlichen Gegenden einzudämmen. Heutzutage erfordern die Probleme, welche eine Bevölkerungsminderheit durch ihren missbräuchlichen verursacht, gezielte Massnahmen, die vor allem Bereiche des Nachtlebens betreffen. An die Stelle der zum Teil drakonischen Repressionsmassnahmen ist weitgehend eine beratende Tätigkeit getreten. Es ist daher kein Zufall, dass die EAV bei «Goûts & Terroirs» 2012 eine Vermittlerrolle übernommen hat. Eine Ausstellung, an der historische Gegenstände zu bewundern sind, zeigt dem Besucher und der Besucherin auf eindrückliche Art und Weise den Kontrast zwischen der Realität von gestern und heute.
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